Asa Linderborg, Ich gehöre keinem
Eine Warnung gleich zu Anfang: Lesen Sie dieses Buch auf keinen Fall ohne einen ausreichenden Vorrat an Taschentüchern im Haus!
Denn dieser autobiographische Roman der schwedischen Journalistin Asa Linderborg ist ein im besten Sinne ergreifendes und berührendes Buch.
Die Autorin schildert ihre Kindheit und Jugend im Schweden der 70er Jahre. Als Asa vier Jahre alt ist, verlässt die Mutter sie und ihren Vater wegen eines anderen Mannes.
„Ich fragte Mama, warum ich an jenem Abend, als sie uns verließ, nicht hatte mitgehen dürfen. Sie gab mir immer die gleiche Antwort: Papa tat ihr so leid, dass sie ihm das Schönste schenkte, was sie hatte.“
Asa wächst also bei einem alleinerziehenden Vater in der mittelschwedischen Stadt Västeras auf. Ihr Vater Leif ist ein schwer schuftender Facharbeiter, pflichtbewusst im Stahlwerk und unendlich liebevoll gegenüber seiner kleinen Tochter.
Aber er ist auch schwer alkoholkrank und vertrinkt den größten Teil seines Einkommens, so dass die beiden oft bei den Großeltern essen müssen, um über die Runden zu kommen. Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenke bekommt Asa fast nie und für saubere Kleidung sorgt die Verwandschaft, die ab und zu auf das Mädchen aufpasst, wenn Leif sich an den Wochenenden bis zur Bewusstlosigkeit betrinkt.
Als kleines Mädchen arrangiert Asa sich mit der Krankheit des Vaters, sie nimmt ihn, wie er ist, fühlt sich trotzdem geliebt und geborgen. Er ist eben ihr Papa.
Als sie zum Teenager heranwächst, sieht sie vieles kritischer, macht ihm Vorwürfe, distanziert sich; irgendwann zieht sie aus, um sein Elend nicht länger ertragen zu müssen.
Asa Linderborg schildert ihr Schicksal und das ihres Vaters in einer kraftvollen und poetischen Sprache, und malt uns ein wunderschönes Familienportrait. Und wenn man das Buch ausgelesen hat, versteht man auch, warum Asa Linderborg heute manchmal in Stockholm auf der Straße angesprochen wird und begeisterte Leserinnen zu ihr sagen: „Ich liebe Ihren Vater!“




